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Libyens innere Konflikte werden von Qatar angeheizt

Die Dinge entwickeln sich in Libyen nicht zum allerbesten. Wir müssen uns daher fragen, ob unser Urteil über Libyen mit einer mehrheitlich urbanen, gebildeten und aufgeschlossenen Gesellschaft falsch war, als wir im März 2012, kurz nach dem Ende der 42-jährigen Gaddafi-Diktatur, von unserem letzten Besuch aus Tripolis zurückkamen. Dass der Aufbau demokratischer Strukturen und einer Zivilgesellschaft schwierig sein würde, damit musste gerechnet werden.

Was aber ist seither geschehen? Von unseren Freunden haben wir in der Vergangenheit stets nur gute Nachrichten erhalten. Alles schien von Tag zu Tag besser zu werden, die Menschen waren voller Zuversicht, auch im Hinblick auf die allerdings mehrmals hinausgeschobene, aber dringend erwartete Einsetzung des Allgemeinen Nationalkongresses. 

Heute konfrontieren sich dieses am 7. Juli 2012 gewählte Abgeordnetenhaus und ein islamistisches Parlament. Auf der Seite des Nationalkongresses stehen militärische Brigaden aus Zintan unter dem Kommando des schillernden Generals Khalifa Haftar, der sich vom Gaddafi-Anhänger zu dessen Gegner gewandelt hatte. Haftar hat die Operation „Karama" (Würde) ins Leben gerufen, mit der er meinte, das Land von „Terrorismus und Extremismus" zu befreien. Hinter den Islamisten versammeln sich Freischärlergruppen und sogenannte Rebellen aus Misrata, Anhänger der Muslimbrüderschaft und Dschihadisten. 

Im Verlauf der Zeit gewannen die Islamisten, die sich zur Bewegung „Fajr" (Morgenröte) zusammengeschlossen haben, immer mehr politischen und territorialen Einfluss. Sie eroberten (und zerstörten) den Flugplatz von Tripolis, den bis dahin Verbände aus Zintan kontrollierten. Sie besetzten in der Hauptstadt weitere öffentliche Gebäude und regieren seither in Tripolis. 

Unter dem Druck der Ereignisse zog sich das gewählte Abgeordnetenhaus und die eingesetzte Regierung von Tripolis nach Tobruk zurück und versucht nun, von dort aus das Land zu regieren. 

Wie hatte es zu dieser Verschlechterung der Verhältnisse kommen können? Angesichts der rivalisierenden Gruppierungen und des in zahllose Fraktionen aufgesplitterten Landes ist es schwierig, eine genaue Karte zu zeichnen, wie die politischen und militärischen Grenzen verlaufen beziehungsweise wie die national-orientierten Kräfte auf der einen und die islamistischen Blöcke auf der anderen Seite verteilt sind. Interne Auseinandersetzungen sind jedoch nur das eine. Es gibt auch Anzeichen, dass die von den Medien so bezeichneten Aufständischen, also die Rebellen von Misrata und ihre politischen Verbündeten, Unterstützung aus Qatar erhalten, was vom kleinen, aber wegen seiner Erdgasvorkommen reichen Golfstaats in Abrede gestellt wird. Zugleich gibt es Vermutungen, dass auch Haftar von Qatar unterstützt wird, was ein Hinweis sein könnte, dass das Land ein nur schwer durchschaubares Doppelspiel treibt. Die Position Aegyptens in Bezug auf Libyen ist ebenfalls unklar. Sicher ist nur, dass es verschiedene externe Interessenkonflikte gibt, die in Libyen ausgetragen werden.

Ob von einem Bürgerkrieg in Libyen gesprochen werden muss, bleibt eine Sache der individuellen Beurteilung, ebenso die Frage, ob Libyen als „failed state", als Staat, der seiner politischen Ordnungsfunktion nicht mehr nachkommen kann, bezeichnet werden muss. Nach unserer Einschätzung hat es religiöse Konflikte in Libyen in der Vergangenheit nicht gegeben – bis sie in jüngster Zeit von extremistischen Zellen angeheizt worden sind, auch als Mittel zur Machtausübung. „Die Libyer begegnen der entfesselten Gewalt mit Fassungslosigkeit", schrieb der bedeutende libysche, in England lebende Schriftsteller Hisham Matar in einem Interview in der FAZ. 

Sollte es eine Lehre aus den Ereignissen in Libyen zu ziehen geben, die von anderen geopolitischen Beispielen bestätigt wird, dann die, dass 2000, 3000 zu allem bereite Freischärler beziehungsweise religiöse Fanatiker ausreichen, um ein Land in kürzester Zeit in die grösste Unordnung zu stürzen. Erst recht, wenn sie von einflussreichen finanziellen Interessengruppen im Hintergrund unterstützt und gesteuert werden.

Zeichen und Ziele in Libyen
Nach der Attacke auf das US-amerikanische Konsulat in Benghazi haben sich viele Libyer an der Rettungsaktion beteiligt. Behördenvertreter haben den Angriff mit deutlichen Worten verurteilt und versprochen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Später haben Tausende Menschen in Tripolis und Benghazi gegen die bewaffneten Milizen protestiert und deren Stützpunkte angegriffen. Es sollen 30‘000 bis 40‘000 Teilnehmer gewesen sein. Sie trugen Spruchbänder mit der Aufschrift „No to Al-Qaeda“ und „No to Terrorism“ mit sich. „Libya Herald“ schrieb am 22. September 2012: „Demonstrators were also hoping to send a strong message to the new Prime Minister Mustafa Abushagur that the nation was ready for strong government and the imposition of law and order.“ Die Errungenschaften der Revolution sollen auf diese Weise verteidigt werden. Das sind neue, viel versprechende Zeichen und Ziele. Das Swiss-Libyan-Art-Project verfolgt die Ereignisse in Libyen weiterhin mit grosser Anteilnahme.

Neuer Besuch in Tripolis
Vom 28. Februar bis 4. März 2012 haben sich Jörg Mollet und Aurel Schmidt erneut in Tripolis aufgehalten, um die alten Kontakte aufzufrischen. Sie bekamen einen guten Eindruck von den neuen Verhältnissen im Land nach dem Tod des Diktators. In der Academy of Graduate Studies hielten sie auf deren Einladung einen Vortrag über Felsenzeichnungen und moderne Kunst. Über das gleiche Thema sprachen sie auch im Art House. Nach der Rückkehr veröffentlichten Sie in der NZZ am Sonntag vom 6. Mai einen ausführlichen Bericht über Strassenkunst und die Gaddafi-Karikaturen, die überall in der Stadt an den Hausmauern zu sehen sind und vom befreiten Leben in Tripolis Zeugnis ablegen.

Ausstellung Jörg Mollet zum Thema Libyen
Zur Zeit stellt Jörg Mollet, Mit-Initiant des Swiss-Libyan Art Project, im Restaurant „Au Premier“ im Hauptbahnhof Zürich Werke aus, die explizit Libyen zum Thema haben. Die Felsenzeichnungen im Messak mellet, die Räumlichkeit der Wüste, die Zeichen und Zeichnungen auf den Häuserwänden in Tripolis haben Mollet zu seiner Malerei angeregt, die im gegenwärtigen politischen Zusammenhang eine nachholende neue Aktualität gewonnen hat.

Libyens Zukunft
Nachdem das Land von Muammar Gaddafi nach dessen Tod am 20. Oktober 2011 nicht mehr bedroht wird, ist Libyen über Nacht aus den Schlagzeilen verschwunden. Das kann jedoch nicht heissen, dass damit für das Land alle Probleme gelöst sind. Das Land steht im Gegenteil am Anfang eines neuen Abschnitts seiner Geschichte. Wir verfolgen sein Schicksal mit grosser Aufmerksamkeit und hoffen, dass der bevorstehende Aufbau, wie schwierig und langwierig er auch sein mag, am Ende in eine neue und viel versprechende, weltoffene Zukunft des Landes führen wird.

Neubeginn in Libyen
Wir verfolgen mit grosser Aufmerksamkeit die Vorgänge in Libyen und die Eroberung von Tripolis. Es ist uns klar, dass die Kampfhandlungen noch nicht abgeschlossen sind und dem Land nach 42-jähriger Diktatur ein schwieriger Wiederaufbau bevorsteht. Vorrang haben muss das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung und die politische Beteiligung aller Kreise. Bestimmt ist es ein Vorteil, dass das Fundament einer Verwaltung durch die übergangsregierung bereits vorhanden ist. Dass sich Freunde nach einer langen Zeit des Schweigens wieder bei uns gemeldet haben, bewerten wir als ein positives Zeichen für einen gelungenen Umschwung des Landes. Wir sehen der Tatsache, unsere alten Verbindungen wieder aufnehmen und unsere Pläne mit den libyschen Freunden weiterführen zu können, mit grosser Zuversicht entgegen.

Auskunft über Libyen in der
Louise Brown von "Die Zeit" hat mit Jörg Mollet ein Gespräch geführt, das unter dem Titel "Die Kunstszene Libyens birgt ein ungeheures Entwicklungspotenzial" am 4. April 2011 erschienen ist. Darin gab Mollet Auskunft über die Lage der Künstler in Libyen (vor Beginn des Aufstands) und bezeichnete die Wüste als "Kulturreservoir.

Stellungnahme zu den Ereignissen in Libyen
Wir kennen und lieben das Land mit seinen grossartigen Menschen und verurteilen das Blutbad kategorisch. Mit Nachdruck vertreten wir hier wie überall das Recht des Volks auf Demokratie, Selbstbestimmung und ein Leben in Freiheit, Sicherheit und Würde. Jörg Mollet und Aurel Schmidt

Swissinfo und World Radio Switzerland berichten über uns
Am 10. Februar 2010 hat Swissinfo, die multimediale Internetplattform (www.swissinfo.ch), Jörg Mollet interviewt, der über das Swiss-Libyan-Art-Project Auskunft gab und es erklärte. Am 16. März wurde Aurel Schmidt von Word Radio Switzerland, dem englischsprachigen Sender von SRG SSR idée suisse (www.worldradio.ch), über das Projekt und über seine Ansichten zu Libyen befragt. Im Augenblick ist das Interesse in der Schweiz an Libyen gross, und das Swiss-Libyan-Art-Project wird als Plattform für einen interkulturellen Austauschs aus naheliegenden Gründen zur Kenntnis genommen.

NZZamSonntag und Radio DRS 2 berichten über uns
Wie wir im Januar 2009 schrieben, war es unsere Absicht gewesen, Anfang dieses Jahres erneut nach Libyen zu reisen, um unsere Arbeit dort fortzusetzen. Daraus ist leider nichts geworden. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Libyen sind weniger denn je bereinigt. In der allgemeinen Turbulenz der politischen Ereignisse hat dafür unsere Webseite eine unerwartete Aktualität erhalten. – Die NZZamSonntag hat am 13. September 2009 unser Projekt vorgestellt und auf diese Weise zum Ausdruck gebracht, dass es unzulässig ist, Libyen als "Beduinenstaat" zu bezeichnen, wie das oft auf eine gönnerhafte Weis geschieht. Vielmehr ist Libyen ein moderner Staat mit vielen hochmotivierten Menschen – Künstlern, Ingenieuren, Filmemachern –, die an einem internationalen Kultur- und Fachaustausch interessiert sind. Was zu zeigen genau der Absicht unseres Internet-Projekts entspricht. – Am 17. September hat der Basler Nordafrika-Journalist Beat Stauffer in der Sendung "Radio DRS 2 aktuell" in einem Gespräch die Verhältnisse in Libyen beschrieben und bei dieser Gelegenheit auf unser Libyen-Projket Bezug genommen.

Neue Reise nach Libyen noch unbestimmt
Unsere Pläne sehen vor, im März 2009 erneut nach Libyen zu reisen, um unsere Arbeit über die Felszeichnungen fortzusetzen und unsere Kontakte mit unseren libyschen Freunden weiter zu pflegen. Auch sollte uns der Schweizer Filmemacher Bruno Moll begleiten, mit dem wir im Gespräch über einen Film zum Thema Bilder, Zeichen, Spuren in Libyen sind, und mit dem die Dreharbeiten später im Jahr 2009 vorbereitet werden müssen. Bedauerlicherweise sind aber die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Libyen im Augenblick immer noch angespannt, so dass wir noch abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, und uns später entscheiden.

Konflikt Libyen-Schweiz
Die politischen Differenzen, die im Juli 2008 zwischen Libyen und der Schweiz entstanden sind, bedauern wir ausserordentlich. Wir müssen erkennen, dass unsere Arbeit durch diese politische und diplomatische Krise erschwert wird. Das „Swiss-Libyan Art Project“ verstehen wir unter anderem auch als Unterstützung für die Künstler und Künstlerinnen in Libyen, mit denen wir freundschaftliche Verbindungen unterhalten und deren Werk und Werdegang wir begleiten. Wir hoffen auf eine baldige Lösung des Konflikts. 

Tagung der AARS in La Chaux-de-Fonds
Am 2. Mai folgten Jörg Mollet und Aurel Schmidt der Einladung der aars (Association des amis de l'art rupestre) in La Chaux-de-Fonds. Präsident der französischen Vereinigung ist der Archäologie-Professor Jean-Loic Le Quellec. Mollet und Schmidt hatten Gelegenheit, das Swiss-Libyan Art Project vorzustellen. Sie fanden mit ihrer Interpretation der Messak-Felsenzeichnungen, die explizit von einem künstlerischen Standpunkt ausgeht, bei der vor allem archäologisch interessierten Zuhörerschaft grosse Aufmerksamkeit.

Neue Reise nach Libyen
Im Februar/März 2008 unternahmen Jörg Mollet und Aurel Schmidt eine weitere Reise in den Südwesten Libyens (Messak, Akakus, Wadi Aramat). Das Interesse fokussierte sich diesmal planmässig vor allem auf Felsenmalereien. Mollet und Schmidt reisten in Begleitung des libyschen Filmemachers Awad Elkish, der lange Zeit in Wien gelebt hat. Auf dem Programm in Tripolis standen ein Besuch der Academy of Graduated Studies, wo das Swiss-Libyan Art Project einem interessierten Fachpublikum vorgestellt werden konnte, sowie der Art School Zawiat Dahmani. Ausserdem führten Mollet und Schmidt ausgiebige Diskussionen über Felsenzeichnungen und moderne Kunst mit den Künstlern Ali Ezouik und Salem Tamimi. Den Abschluss bildete ein Empfang bei Botschafter Daniel von Mural in der Schweizer Botschaft in Tripolis. Ein abschliessender Exeditionsbericht wird zu einem späteren Zeitpunkt auf der Homepage aufgeschaltet.

Zusammenarbeit mit der AARS
Die Association des Amis de l'Art Rupestre AARS in La Chaux-de-Fonds lädt uns ein, an ihrer Jahresversammlung vom 2. und 3. Mai in La Chaux-de-Fonds das Swiss-Libyan Art Project vorzustellen.

Pläne für eine weitere Reise nach Libyen
Jörg Mollet und Aurel Schmidt schmieden Pläne für eine weitere nach Libyen, um ihre im Jahr 2006 begonnenen Recherchen über Felsenzeichnungen in der Sahara fortzusetzen. Diesmal sollen die Felsenmalereien im Akakus näher studiert werden – als Ergänzung und Kontrast zur Fokussierung auf die Felsenzeichnungen im Messak-Massiv.

Der Kanton Solothurn unterstützt uns
Der Kanton Solothurn gewährt aus dem Lotteriefonds einen Beitrag von Fr.5000.-- und unterstützt damit die doppelten Bestrebungen des Swiss-Libyan Art Project, erstens auf Bedeutung, Schönheit und künstlerische Qualität der Felsenzeichnungen in der libyschen Sahara aufmerksam zu machen und zweitens Gegenwartskunst aus Libyen in der Schweiz vorzustellen. Auf diese Weise kann ein Kulturaustausch zwischen den beiden Ländern auf der Basis einer privaten Initiative noch besser gefördert werden.

Ali Ezouik stellt in Genf aus
Der libysche Künstler Ali Ezouik stellt in der Galerie Anton Meier in Genf aus. Ezouik ist zur Vernissage angereist. Wir verbringen mit ihm und dem Galeristen Anton Meier einen angeregten Abend.

Erste Libyen-Reise
Jörg Mollet und Aurel Schmidt reisen zum ersten Mal gemeinsam nach Libyen, um über Felsenzeichnungen im Messak-Gebiet zu forschen. Ein Jahr zuvor hatte Jörg Mollet bereits in der Gegend einen Augenschein genommen und den Entschluss gefasst, das Studium der Felsenzeichnungen weiter zu verfolgen.